IMMUN-Interview
Zürich, April 1999


von - Math (Lionkingz HipHop Magazine)
mit - Allain & Martini (IMMUN)

 

11 Fragen und Antworten

 Wer seid ihr?
 Wie seid ihr allgemein zum HipHop gekommen?
 Wie seid ihr zum mundart HipHop gekommen?
 Was macht für euch die Stadt Zürich im Bezug auf den «Zürislang» aus?
 Wie verlief die Geschichte von IMMUN?
 Was macht es für euch persönlich aus auf Mundart zu reimen?
 Wie habt ihr eure Platte «Züri brännt» aufgenommen und vertrieben?
 Ist es schwer in Zürich und Umgebung Platten zu verkaufen?
 Habt ihr das Gefühl dass der Hip-Hop in der Schweiz kommerzialisiert werden könnte?
 Was für Auswirkungen hätte dies für die Leute die den Släng leben?
 Wie wird es in Zukunft mit IMMUN weitergehen?


 Wer seid ihr?

Wir sind IMMUN aus Zürich. MC`s Allain und Martini (Zeiter Brothers), verantwortlich für die Texte, Beats und alles Andere was noch anfällt rund um IMMUN. Live werden wir von DJ Schüpn oder N-Drew mit Kratzern unterstützt. IMMUN ist unser Baby, ein Teil unseres Lebens, für das wir leben, arbeiten und viel Zeit investieren. Es ist uns wichtig möglichst viel selber in die Hand zu nehmen. Es ist ein langer Weg den wir gewählt haben, den wir Schritt für Schritt gehen und dabei uns selber bleiben.


 Wie seid ihr allgemein zum HipHop gekommen?

Als wir uns 1985 ein Breakdancetape kauften, beeindruckte uns diese Art von Musik auf anhin. 1988 als Public Enemy in Zürich rockten, konnten wir uns diesen Gig nicht entgehen lassen. Public Enemy war damals für uns "number one". Auch Konzerte wie Ice-T, Donald D, De la Soul, Gang-Star, Hi-Jack (the terrorist group) mussten wir sehen. Wir waren damals so ziemlich die einzigen in unserem Schulhaus, die sich für Hip-Hop interressierten. Wenn du breite Hosen anhattest, wurdest du schräg angeschaut. Wäre heute nicht mehr auszudenken. Andere spielten Fussball, wir lebten HipHop (auch wir rannten). Es waren wenige Leute, die eine kleine Untergrund-Szene bildeten. Wenn man einen Gleichgesinnten kennenlernte, fühlte man sich auch schneller verbündet (Peace Rembo & Schüpn). Einige die sich heute selber MC oder Homey nennen, spotteten damals über HipHoper.

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 Wie seid ihr zum mundart HipHop gekommen?

1990 war die Zeit, als wir anfingen uns immer mehr aktiv am HipHop zu beteiligen. Zuvor hatten wir uns hauptsächlich mit dem konsumieren von HipHop-Sounds begnügt und Graffitti-Magazines durchgeblättert. Auf den Geschmack des Mundart-HipHops kamen wir ca. 1992. Wir können uns noch erinnern, dass damals eine Fresh Stuff CD im Umlauf war und 1993 Primitive Lyrics ihre Platte taufte. Das war wahrscheinlich das einzige was wir damals in Mundart gehört haben. Erinnern uns noch daran, wie wir mit Martene (Mc von Gleis2 damals Unterstift von Allain) unsere ersten Geh-Rap-Versuche mit Beatbox am See starteten. Zum Glück war es Abend und niemand konnte uns hören. Trafen uns zu dieser Zeit dann auch ab und zu bei ihnen im Uebungsraum um zu freestylen. Zu dieser Zeit fingen wir an Texte zu schreiben und haben bis heute nicht aufgehört damit.


 Was macht für euch die Stadt Zürich im Bezug auf den «Zürislang» aus?

Wir sind in Zürich geboren, aufgewachsen und leben hier. Die Stadt hat uns geprägt, was sich auch in unseren Texten wiederspiegelt. Die Stadt ist für uns das Zentrum des Zürislangs. «Züri» hatte im Bezug auf den Rap noch nie einen solch hohen Stellenwert wie 1999. Die aktive Platten-Produktionswelle (ca. 1 Scheibe pro Monat), wovon ein Grossteil Züriorientiert war, setzte ihre Zeichen. Es waren die vielen Funken die der Stadt 1999 tüchtig Feuer unter dem Arsch machten.

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 Wie verlief die Geschichte von IMMUN?

Unsere erste Band hiess «Sproing!», die wir 1995 gründeten. Eine sechsköpfige Liveband in der wir rapten und mit der wir etliche Konzerte gaben. Als Reini unser Schlagzeuger für längere Zeit in die Staaten flog (der Sack ist jetzt ein halbes Jahr auf den Seychellen) lösten wir uns auf. 1997 gründeten wir zusammen mit unserem ASR-10 und zwei SM-58 IMMUN.


 Was macht es für euch persönlich aus auf Mundart zu reimen?

Es ist für uns wichtig, dass unsere Texte unserer Sprache entsprechen. Wir benutzen bewusst unsere Muttersprache, da wir uns so am klarsten und ehrlichsten ausdrücken können. Unser Rap soll etwas rüberbringen, was wir mit einer Fremdsprache nicht vermitteln könnten. Es ist persönlicher wenn du so rapst, wie du schon dein ganzes leben gesprochen hast. Wir sehen keinen Grund, eine andere Sprache zu benutzen, da wir zu wenig Bezug dazu haben. Wiso sollten wir z.B. über unsere Erlebnisse und unsere Stadt auf englisch oder französisch rappen, wenn wir den ganzen Tag über «Züritütsch» sprechen. Wir bringen es rüber «wie eus dSchnurrä gwachsä isch», und das ist bei uns halt der «Züri-Slang».

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 Wie habt ihr eure Platte «Züri brännt» aufgenommen und vertrieben?

Wir hatten schon lange die Idee einige unserer Tracks auf einem Tonträger aufzunehmen, aber dass schlussendlich Vinyl daraus wurde war nicht zu Beginn geplant. Da wir noch ein günstges Angebot für einen Studiobesuch offen hatten, war es ein idealer Zeitpunkt um die 4 Tracks aufzunehmen. Zuerst wollten wir die Aufnahmen für ein Promotape verwenden. Nach diversen positiven Reaktionen und motivierenden Gesprächen entschlossen wir uns schliesslich eine Scheibe zu pressen. Nach drei Tagen aufnehmen und abmischen in Züri und Biel, hatten wir die Tracks auf Band. Die Platte kam mit dem Osterhasen `99. Den Vertrieb übernahmen wir selber, indem wir bei einigen Plattenläden (hauptsächlich in Zürich) vorbeigingen. Unter www.immun.ch könnt ihr unsere «Züri brännt»-EP bestellen.


 Ist es schwer in Zürich und Umgebung Platten zu verkaufen?

Im Moment werden sicher noch mehr ausländische Platten verkauft als einheimische Produktionen, aber die Släng-Freak-Szene ist am wachsen. Unterstützt CH-HipHop und kauft euch die Scheiben!!!

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 Habt ihr das Gefühl dass der Hip-Hop in der Schweiz kommerzialisiert werden könnte?

Wir denken das braucht noch etwas Zeit, bis grössere Plattenfirmen auf den Zürislang abfahren. Aus diesem Grund ist es aber sicher positiv wenn viel produziert wird, damit jedem hier klar wird, dass einiges abgeht. Wenn irgend wann einmal viel verkauft werden sollte, dann wahrscheinlich in helvetischem Rahmen. Unserer Meinung nach braucht es nicht zwingend ausländische Features. Der Släng ist selbständig genug um seinen eigenen Weg zu gehen. Wir können uns auch nicht vorstellen, dass irgend ein Ami mit einem Zürislanger ernsthaft etwas produzieren möchte. Die verstehen unsere komische Sprache sowiso nicht und da sie auch nicht auf uns angewiesen sind, würde denen der Släng wahrscheinlich am Arsch vorbei gehen.


 Was für Auswirkungen hätte dies für die Leute die den Släng leben?

Die Leute die jetzt den Släng leben bewegen sich hauptsächlich im Untergrund. Ich hatte da so einen bösen Traum... «Wahrscheinlich würden dann irgend welche Produzenten, irgend welche billigen Radioversionen basteln, über die irgend welche Toys rappen, die sich verkaufen und die breite Masse würde dann zu wissen glauben, was Zürislang wirklich ist». Zum Glück bin ich rechtzeitig aufgewacht, bevor mir das grosse K....... kam. Tya, es war ja nur ein böses Träumerl.
Könnt ihr euch mundart HipHop Boygroups vorstellen? Wäre noch geil, mit so den Danceshows, tollen Tänzerinnen, fliegenden BH`s, Teddys etc.

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 Wie wird es in Zukunft mit IMMUN weitergehen?

So wie bisher auch. Wir werden weiterhin zusammenhalten und unser Ding machen, so lange wir es für richtig halten. Wir werden unseren Weg gehen und vielleicht wird sich auch einmal ein Plattendeal ergeben. Auf jedenfall wollen wir so bleiben wie wir sind und unseren Shit produzieren.
Momentan sind wir daran, ein kleines Aufnahme-Studio mit DNA (FPM) zu bauen. Das Ziel wäre es, dass auch andere Crews bei uns Aufnahmen machen könnten. Wir sind ständig daran, neue Beats zu basteln. Vor kurzem haben wir einen Beat für DNA gemacht, der zusammen mit zwei anderen Tracks demnächst auf Vinyl herauskommen wird. Wenn die Zeit reicht wollen wir auch in Zukunft für andere produzieren.
Und sonst noch... Paar@Ohrä werden eine Maxi "Bereiser" veröffentlichen, auf der wir unter diversen CH-MCs zu hören sein werden. Auch auf dem internet werden wir wie bisher mehr oder weniger regelmässig Updaten. Aktuell ist eine Online-HipHop-Galerie im Aufbau, für die wir von euch auf Bildmaterial angewiesen sind. Aktuelle Infos gibts weiterhin unter www.immun.ch. HipHop vernetzt.

peace an all wo eus känned wo zu eus stönd, für all wo chömed und wieder gönd
und thanxx all dene wo eus bsunders 1999 unterstützt händ.


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